Tra My Nguyen

Tra My Nguyens verarbeitet immer wieder Erinnerungsmomente aus ihrer Kindheit in Vietnam. Diese retrospektiven Erfahrungen verzerrt sie häufig zu einer hybriden Erzählung, in der das Umherziehen durch die Straßen von Hanoi mit Verwandten zum Auslöser für Ideen rund um Rassismus, Mobilität und Geschlechterpolitik wird. Ihre Arbeiten sind inspiriert von der Kultur der Motorradfahrerinnen in Vietnam, wo Frauen ihren ganzen Körper in grellfarbige, kontrastreiche Kleidungsstücke hüllen, um ihre Haut vor den heftigen Sonnenstrahlen zu schützen. Mit ihren typischen Blumenmustern und ihrem bequemen Schnitt setzen sich diese Kleidungsstücke unmittelbar praktisch, aber zugleich auch metaphorisch mit Vorstellungen von Geschwindigkeit auseinander: Röcke schnappen zu und wickeln sich um die Taille. Jacken lassen sich bis über den Kopf ziehen – schnell, zügig und einfach.

Ausgehend von diesen Kleidungsstücken manipuliert Nguyen ihre Materialien, um den Körper neu zu erfinden. Dafür löst sie die Kleidung aus ihrem Kontext und lenkt ihre Funktion auf ein neues Objekt um. Mit der beim diesjährigen ROHKUNSTBAU ausgestellten Skulptur „Riders’ Arc“ überschreitet die Künstlerin das Feld des physischen Körpers. Sie verlagert den Schwerpunkt auf das Konturen eines Fahrzeuges, dessen ergonomische Form bestimmte Kurven erzeugt: Der Sitz wird zu Hüften; seine Griffe zu ausgestreckten, starken Armen. Dehnbare Viskose wird um die Karosserie des Fahrzeugs drapiert und collagiert. An den Nähten mit textilem Silikon versiegelt, bildet sie so eine Schutzschicht, die die darunterliegende strukturelle Einheit einhüllt. So entstehen, eingebettet in einen veränderten Kontext, neue Formen und imaginäre Figuren. 

Tra My Nghuyen wurde 1992 in Hanoi (Vietnam) geboren. Sie hat Modedesign an der Universität der Künste (UdK) Berlin und der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle studiert. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin.

https://tramy-nguyen.com/