Paloma Varga Weisz
Paloma Varga Weisz plastische Arbeiten zeichnen sich durch augenscheinliche Rückgriffe auf ikonografische und handwerkliche Traditionen aus. Die ungarisch-stämmige Künstlerin verbindet Historie mit einer zeitgenössischen künstlerischen Praxis, die ihre genealogischen Wurzeln nur spärlich preisgibt. Für ihre Skulpturen und Installationen verwendet sie als Basismaterialien meist Holz und Keramik, die in der Bearbeitung durch Paloma Varga Weisz ihren traditionellen Kontext verlassen und in zeitgenössische Problemstellungen transformiert werden.
Beim diesjährigen ROHKUNSTBAU ist eine Arbeit aus dem Jahr 2012 zu sehen: ein traditionelles Eichenholzfass, aus dem unbekleidete Kinderbeine herausragen. Ein historischer Verweis auf das Thema Kinderarbeit. Denn diese aus Gips abgegossenen Beine, die aus dem geschlossenen Weinfass herausragen, deuten auf unheimliche Weise an, dass es Kinder waren, die im industriellen Alltag der Weinproduktion in die winzigen Öffnungen dieser Fässer hineinkriechen mussten, um sie zu säubern. Zugleich bleibt der restliche Teil des Kindeskörpers verborgen und scheint im Fass verschwunden. Der nicht sichtbare „fehlende“ Körper wird bei der Fass-Skulptur in der Vorstellung der Betrachtenden als anwesend, als im Fass steckend, imaginiert. Die Grenze zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem wird somit, zumindest in der Fantasie, durchlässig.
Paloma Varga Weisz wurde 1966 in Mannheim geboren. Sie lernte Holzbildhauerei in Garmisch-Partenkirchen und studierte an der Kunstakademie Düsseldorf. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Düsseldorf.
