Manaf Halbouni

Manaf Halbouni entwickelte seine Skulpturen-Serie „Fragments“ als Reaktion auf die Pegida-Proteste in Deutschland. Im Zentrum dieser Arbeiten steht die Frage nach der Bedeutung von Werten und unter welchen Bedingungen sie sich verändern oder gar verloren gehen.  Ausgangspunkt für die Arbeit dieser Serie waren Überreste kaputter Kirchenfenster, die der Künstler in einer alten Kiste fand – zerbrochene Zeugnisse vergangener Narrative einer ehemals sich als intakt verstehenden Welt. Soll das alles sein, was von den „christlichen europäischen Werten“ übriggeblieben ist, für die Demonstranten auf die Straße gehen? Wohin sind die Ideale des Abendlandes von einst verschwunden?, fragt sich der Künstler in der Skulpturen-Serie „Fragments“, in denen sich die Widersprüche unserer Zeit verfangen. Farbenprächtiges, zartes Glas, Symbol für sakrale Spiritualität, Licht und Hoffnung tritt in Kontrast zur brutalen Rohheit des zugleich verwendeten Stahlbetons. Überreste einer Vision von Harmonie, die sich in dieser neuen Konstellation gegen die Ruinen einer bislang noch nicht völlig zerstörten Welt der Ideale stemmen, ein verzweifelter Appell an ihr Versprechen an die Emanzipation des Menschen.

Beim diesjährigen ROHKUNSTBAU ist das Fragment No 9 zu sehen: eine dystopische Vision unserer Gegenwart. Es ist ein Spiegel gesellschaftlicher Spannungen, in dem Vergangenheit und Gegenwart aufeinanderprallen. Welche Werte werden überleben? Was kann bewahrt werden? Und was wird unwiederbringlich verloren gehen? Unsere Zukunft wird sich daran entscheiden, welche dieser Versatzstücke bleiben können und in welcher Kombination sie sich am Ende behaupten werden.    

Manaf Halbouni wurde 1984 in Damaskus (Syrien) geboren. Er studierte an der University of Fin arts in Damaskus und an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Er war Meisterschüler von Eberhard Bosslet.

https://www.manaf-halbouni.com