Christina Glanz
Christina Glanz fotografierte über viele Jahre hinweg in Lauchhammer. Die ersten Fotos in der Industriestadt in der Braunkohleregion im Süden Brandenburgs entstanden 1982. Doch ins Zentrum ihrer Arbeit rückte die Stadt nach 1989 mit dem Zusammenbruch der DDR und dem schrittweisen Niedergang der Stahl- und Kohleindustrie in der Lausitz in den 90er-Jahren.
Christina Glanz interessierte sich vor allem für die Menschen in dieser wirtschaftlich abstürzenden Industrieregion im Zuge der Deutsche Einheit. Was macht ein derartig rasanter gesellschaftlicher Umbruch mit den einzelnen Biografien? Was passiert mit dem vertrauten sozialen Gefüge, wenn plötzlich alles anders wird? So entstand eine Art Langzeitprojekt, in dem die Fotografin die unabweisbare Entwicklung einer Region begleitete. Sie fotografierte den Verfall der Industrieanlagen und zugleich die Menschen, die darin gearbeitet hatten. Sie dokumentierte die entscheidenden Momente: die letzte Frühschicht, die letzte Spätschicht, der Empfang der Entlassungsbriefe, Ereignisse, die die Menschen vor Entscheidungen stellten, wenn es denn noch etwas zu entscheiden gab. Ereignisse von größter persönlicher, oft auch tragischer Bedeutung.
Für den diesjährigen ROHKUNSTBAU sind 70 Fotografien aus jener Zeit in einem Loop verarbeitet worden. Diese Bilder zeigen nicht Schmerz oder Hilflosigkeit, sondern etwas anderes, Kostbares, nämlich Würde.
Christina Glanz wurde 1946 im Eichsfeld (Thüringen) geboren. Sie studierte zunächst Architektur in Dresden, dann an der Kunsthochschule Berlin (Weißensee). 1979 gab sie ihre Arbeit im staatlichen Büro für Städtebau auf und begann eine künstlerische Aspirantur im Fachgebiet Fotografie an der Kunsthochschule Berlin (Weißensee). 1982 wird sie in den Verband Bildender Künstler der DDR aufgenommen und arbeitet seitdem freischaffend.
