Anne Wenzel
Anne Wenzel verwandelt die Tradition der Keramik in bemerkenswerte Skulpturen und Installationen. Naturkatastrophen, Terroranschläge und apokalyptische Obsessionen inspirieren diese düsteren Werke, die perfekte Metaphern unserer Zeit sind.
Die Künstlerin nutzt Keramik als ihr primäres Medium, um durch bisweilen monumentale Skulpturen das Gleichgewicht zwischen Konstruktion und Zerstörung zu thematisieren. Ihre Arbeit greift die Codes der klassischen Kunstgeschichte auf und spielt mit Genres wie Porträt, Stillleben und Ornament. Ihre Werke sind sowohl ein Spiegel unserer Gesellschaft als auch die Summe jahrhundertealter künstlerischer Praktiken und positionieren sich genau an dem Punkt, an dem Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen. Fin-de-siècle-Ästhetik wird dabei mit der Idee einer blutleeren Macht vermischt.
Die beim diesjährigen ROHKUNSTBAU gezeigte Serie „Damaged Goods“ besteht aus einer Reihe monumentaler Büsten aus schwarz emailliertem Steingut und ist von den entstellten Gesichtern der im Ersten Weltkrieg verwundeten Soldaten inspiriert. Die farbigen Emaille-Oberflächen der Gesichter und Torsos sind zerkratzt und zerfurcht. Nach einem langen Modellierungsprozess verwüstet und zerstört die Künstlerin die entstandene Skulptur, wodurch die erhaltenen Teile noch aussagekräftiger werden. Dieser Prozess schafft zudem ein Gleichgewicht zwischen Abstraktion und Figuration und verortet das Werk in der Tradition der klassischen Bildhauerei. Schließlich, so erklärt die Künstlerin, „macht eine Büste den Menschen interessant“ und verwandelt eine anonyme Gestalt in ein Individuum. Doch das Fehlen eines Gesichts stellt die Anonymität wieder her.
Anne Wenzel wurde 1972 in Schüttorf (Niedersachsen) geboren. Die deutsch-niederländische Bildhauerin, Malerin und Installationskünstlerin studierte an der Akademie für Kunst und Industrie (AKI) in Enschede und an der Escuela Massana in Barcelona. Die Künstlerin lebt und Arbeitet in Rotterdam.
